IRONMAN 2010 – Der schönste Schmerz der Welt
IRONMAN AUSTRIA 2010
Von Jürgen Pfeifer
2009 startete meine
IRONMAN-Karriere in Klagenfurt mit einer Zeit von 12 h 3 min. Meine Julia
bemerkte völlig richtig: „Gell, die 3 Minuten ärgern Dich?“ Daher musste ich
mich einfach noch einmal anmelden. So der Befehl meiner Frau J. Also wurde das
Projekt IRONMAN 2010 gestartet.
Trainingsstart war bereits im Oktober und
auch der Plan wurde mit Hilfe einiger Tipps von erfahrenen Sportlern ein wenig
umgebaut. Viele lange Läufe, weniger Koppeleinheiten, Tempoeinheiten
vermehrt einbauen und Kraftausdauer am Rad verbessern. So ergaben sich in der
Vorbereitung:
- 5.600
km Radfahren (Wetterbedingt allerdings nur 1.500 km draußen) in 183
Stunden
- 1.600 km
Laufen in 155 Stunden
-
130 km Schwimmen in 58
Stunden
- Durchschnitt
Trainingsstunden / Woche 11,3
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Da bedarf es schon einem ausgeklügelten Zeitmanagement, um das
Alles unterzubringen. Vor allem aber der Zustimmung und Unterstützung meiner
Julia und der Kinder, denen ich hier schon vorweg danken möchte! Zur
Vorbereitung wurden noch 2 Mitteldistanzen absolviert und auf einmal verging die
Zeit viel zu schnell und nach Anreise, Registrierung und Pasta-Party hieß es:
RACE DAY! Weil wir aber gerade bei der Vorbereitung sind möchte ich gleich an
dieser Stelle unseren Fans danken, die mit uns nach Klagefurt gekommen sind und
besonders Julia und Heidi die sich als Sprayer betätigten. Hunderte Male wurde
das Tri & Bike Logo in den Farben Grün, Gelb und Orange auf den Klagenfurter
Asphalt verewigt!! Die Julia hat die Schablonen angefertigt und mit der Heidi
wurde die Arbeit ausgeführt – Wahnsinn Mädels!
Aber jetzt zum Tag der
Schmerzen:
Beim Schwimmstart wurden uns Dank des ignoranten DJs noch einmal
die Füße eingeschläfert. Spätestens 2 Minuten vor dem Start kocht das Blut, du
staunst nochmal unter wie viel Wahnsinnigen du dich befindest und suchst schon
eine Lücke um dich gleich in die Fluten zu stürzen. Die Bänder werden gehoben,
der Startschuss fällt und das Feuerwerk ist der eindeutige Hinweis: ZUG FÄHRT
AB!
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Ich hab eine Lücke gefunden und gleich versucht meinen Rhythmus zu
finden, was aber auf den ersten 300 m nahezu unmöglich war. So eng ging es im
vorigen Jahr nicht zu. Bis zur ersten Boje entkam ich der Schlägerei kaum und so
versuchte ich, mit dem neben mir schwimmenden Teilnehmer einen Rhythmus zu
finden. Das ist auch gut gelungen. Das Tempo kam mir durch die häufigen
Rhythmuswechsel eher langsam vor. Die Wendeboje wollte nicht näher kommen. 1.500
m sind halt doch lang. Die Umrundung dieser gelang aber dann überraschender
Weise ohne Probleme. Normal gibt es hier schon wieder Schlägereien. Bis zum
Eingang Lendkanal konnte ich dann meinen Rhythmus und meine Technik Schwimmen
und jetzt fühlte sich das Ganze schon ganz gut an. Im Lendkanal wurde es zwar
wieder enger, trotzdem konnte ich mühelos bis zum Schwimmausstieg vordringen.
Wieder einmal haben mich unsere Fans übersehen! Wieder einmal war ich schneller,
als ich selbst und die anderen erwartet hatten, hehe. Ich war mit dem ersten
Drittel des Feldes aus dem Wasser und das motiviert natürlich sehr, also ab zum
Sack und rein ins Wechselzelt.
Auf dem Rad fühlte ich mich sofort wohl. Die
Temperaturen waren noch angenehm am „frühen“ Morgen und ein leichter Zug von
hinten förderte die Geschwindigkeit auf den ersten 25 Kilometern. Den ersten
Anstieg zum Faakersee meisterte ich problemlos, also ab zum Rupertiberg. Es
wurde immer heißer und ich merkte schon, wie der Schweiß Spuren am Asphalt
hinterließ. Ich fühlte mich aber immer noch gut und konnte locker mein Tempo
gehen. In St. Egyden, kurz vor dem Anstieg zum legendären Rupertiberg konnte ich
zum ersten Mal den ersten Teil unserer Fans wahrnehmen. Julia, Heidi,
Martin, Bettina, Rolands Eltern und sein Freund Mario haben sich die Fahrt mit
dem Shuttlebus angetan! Nach 61 Kilometern musste jetzt also zum ersten Mal
der Berg bezwungen werden, ich hielt das Tempo, ging aus dem Sattel und
dann …… KRAMPF!? Wo kommt der jetzt her? Unbemerkt hatte die Hitze also doch
mehr Einfluss, als ich erwartet hatte. Also setzte ich mich sofort wieder in den
Sattel und versuchte möglichst ohne viel Kraftaufwand den Berg zu überwinden.
Das ist auch gelungen. Oben angelangt habe ich sofort versucht möglichst viel zu
trinken und Salz hatte ich auch dabei. Eine Zeit lang dachte ich die Krämpfe
erfolgreich bekämpft zu haben, denn bis Klagenfurt hatte ich jetzt kaum Probleme
und vor allem einen Schnitt von über 34 km/h! Die zweite Runde war
erfahrungsgemäß immer ein wenig langsamer, da der Wind drehte. Der war auch noch
bis zum Faakersee zu spüren, schlief aber dann komplett ein und jetzt knallte
mir die Sonne richtig auf den Pelz! Am Anstieg waren schon wieder die Krämpfe zu
spüren und ich musste wieder mit möglichst wenig Anstrengung den Berg rauf, wohl
wissend das dies noch nicht der letzte ist. Vorsichtshalber hab ich das Tempo
zurückgenommen, war aber trotzdem immer noch super in der Zeit. Jetzt galt
es also noch mal ein paar kurze Steigungen und flache Anstiege zu schaffen und
dann noch einmal den Rupertiberg zu überwinden. Bei jedem Anstieg spürte ich
schon wieder die Anzeichen in den Oberschenkeln und musste vorsichtig damit
umgehen. Bei der Anfahrt zum Rupertiberg wurde es auf einmal dunkel! Jetzt auch
noch ein Gewitter. Zuerst dachte ich, es zieht hinter uns vorbei, aber es hat
mich voll erwischt! Ohne Helm hätten uns diese riesigen Tropfen wahrscheinlich
erschlagen. Der Ärger wich aber schnell und trotz weiterer Krämpfe fühlte ich
mich wieder besser, da es kühler wurde. Wie bemerkte ein Zuseher sehr
treffend: „Das ist ein Geschenk Gottes an Euch!“ Oben angekommen, konnte ich
sogar Teilnehmer sehen, die ihr Rad schieben mussten. Wie es denen wohl geht?
Ich hab mich halt irgendwie drüber gequält und trotz Regen die Abfahrt recht
rasant genommen. Nur noch 3 kleine Gegenanstiege und dann ab nach Klagenfurt,
auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Idee hatte, wie ich mit den Beinen
laufen sollte. Die letzen Kilometer verlaufen dann aber nur bergab und flach und
mit hoher Trittfrequenz konnte ich die Schmerzen wieder runterbringen. Bei der
langen Abfahrt am Ende bekam ich dann auch Begleitung in Form von drei
Fans: Georg. Tina und Tinas Vater. Im Saab Cabrio wurde ich mit Tröten
begleitet, was die anderen Teilnehmer sehr lustig fanden! Mir hat es sehr
geholfen und mich vor allem von den Schmerzen abgelenkt! Im Ziel hatte ich auf
dem Rad eine Zeit von 5 h 33 min stehen, was einen Schnitt von 32,5 k m/h und
einer Verbesserung zum Vorjahr um fast 10 min. bedeutete. Und das bei den
Schmerzen. Das gab nochmal Motivation für den Marathon!
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Vor dem Laufen, habe ich im Zelt versucht ein wenig runter zu
kommen. So habe ich Salz und einen ordentlichen Energieschub in Form flüssiger
Nahrung vor dem Laufen zu mir genommen, bevor ich auf die Laufstrecke rausging.
Ich war gespannt, ob das für mich heute überhaupt noch möglich ist. Wundersamer
Weise fühlte sich das Ganze gar nicht so schlecht an. Die Oberschenkelverhärtung
war eindeutig zu spüren, aber hielt sich in Grenzen. So konnte ich einen tollen
ersten Halbmarathon in 1:59 abliefern. Bis km 27 war das Laufen kein Problem,
auch Dank unserer Fans, die uns entlang der Strecke immer wieder lautstark
anfeuerten! Aber genau beim Schild km 27 machte der Oberschenkel endgültig zu.
Der Schmerz war unbeschreiblich. Am ehesten könnte man meinen, man bekommt zwei
große Messer in die Muskeln gestoßen. Ich stoppte und versuchte zu massieren und
zu dehnen, aber vorläufig war an Laufen nicht zu denken. Jetzt war kurz gehen
angesagt. Die nächste Labe war ja nur einen Kilometer entfernt. Dort hab ich
getrunken, was reinging. Mein Salz hab ich leider verloren und so musste ich mit
ISO versuchen den Mineralverlust auszugleichen. Jetzt konnte ich zumindest
langsam Laufen und das ging auch gut bis zum Veranstaltungsgelände, da war aber
dann wieder Schluss. Im Wechselzelt konnte ich eine Masseuse auftreiben, die
versucht hat mir die bösen Geister auszutreiben. Leider war der Erfolg nur kurz.
Schade, ich hätte bis dahin eine Zeit knapp unter 11 Stunden erreichen können.
Jetzt ging es wieder einmal ums überleben! Im Kopf versuchte ich jetzt die
Taktik für die letzten 10 km umzustellen. 4 km bis vor das Stadtzentrum gehen,
bei den Laben ordentlich trinken und dann, ab dem Lindwurm wieder Laufen! Das
ist tatsächlich gelungen. Mit dem Gedanken an das Ziel kann man in der Tat
Schmerzen wegschalten. Ich bin die letzen 6 km wieder gelaufen und habe alle
meine Ziele, trotz des Einbruchs erreicht:
1.
Zeit 11:21:44 (ZIEL: 11:30)
2. Platzierung 931
(ZIEL: unter die ersten 1.000)
3. Schwimmzeit
1:09:40 (ZIEL: unter 1:13:54)
4. Rad 5:33:..
(ZIEL: 5:40)
5. Marathon schneller als im
Vorjahr
6. Vereinsmeister Langdistanz 2010
(Scherzchen)
7. Wette gegen Martins Bestzeit:
11:22:01 (17 Sekunden schneller)
Julia, Heidi, Bettina & Martin, Georg
& Tina u. Vater, Erich & Helga, Mario & Susanne, Peter & Traudi,
Mario (mein Bruder), Astrid, Chris, Mimi, Anna, Lisa, Clemens mit Begleitung,
Joe & Karina, Robert (mein Arbeitskollege)….. Das sind die Namen unserer
Hardcore-FANS! DAAAAAAAAAAANKE FÜRS ANFEUERN UND DASEIN!! Ohne Euch hätte ich
das Rennen wahrscheinlich 3 Mal aufgegeben!!!!!
Am Ende bleibt nur noch das
Motto vom VIENNAMAN zu zitieren:
DER SCHMERZ VERGEHT – DER STOLZ BLEIBT
Quelle: Pfeifer Jürgen
Sitzposition von Jürgen Peifer



