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9:12, 9:39 und 9:47. Slot with a bad race?

Triathlon 2008 in Florida Erfahrungsbericht von Andreas Zoubek.

Theo und Andreas

Aloha? Was für ein Rennen, was für ein Tag. Und viele neue Erkenntnisse für mich. Ich hatte mir vorgenommen gehabt, 1:10 zu schwimmen, 4:50 auf dem Rad zu fahren und 3:20 drauf zu laufen. Theo Seiz wollte 1:03 schwimmen, 5:03 fahren und 3:20 laufen. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Schwimmen: Sowohl Theo als auch ich haben ja schon viel Gemetzel im Wasser erlebt, aber das hat im wahrsten Sinne des Wortes alles geschlagen. Dagegen ist Kärtnen ein Kindergeburtstag. Theo, den das aber als ehemaligen Kraftsportler nicht stört und der sich in Wien immer wieder aus diesem Grund überfüllte Bäder sucht, läßt sich nicht aus der Fassung bringen und schwimmt 31:30, ich bin mit den 35:00 für die erste Runde auch einigermaßen zufrieden in diesem Getümmel (bei Landgang Uhr ersichtlich).

Bei km 2.7 schwimmt wieder einmal ein Ami bei der vorletzten Boje über mich drüber,  und ich bekomme von ihm eines mit dem Fuß ins Gesicht, dass ich Sterne sehe. Brille wird mir vom Sheriff im Boot gereicht, ich brauche aber etwa 5 Minuten am Boot angekrallt bis mich der Drehschwindel verläßt und ich weiter schwimmen kann. Dann komme ich noch zu weit links vom Ausstieg in Landnähe und muss etwa 100m zurück in den "mainstream" schwimmen. Also 1:16 statt 1:18, Theo macht sensationelle 1:03 und wechselt um die Hälfte schneller als ich, so dass ich mit fast 17 Minuten Rückstand auf ihn auf das Rad steige.

Auf dem Rad geht dann wirklich die Post ab, zuerst 10 km mit Rückenwind und dann 30 km mit Gegenwind aus Nordosten fahre ich die ersten 40 km in 1:07. Bei km 90 habe ich 2:32 auf dem SRM Display und weiss, dass die Rückenwindpassagen noch ausstehen. Dann geht wieder die Post ab mit bis zu 48 km/h im Rückenwind, so etwa bei 3:30 - 3:45 auf dem Rad wundere ich mich nur, dass ich für diese hohe Geschwindigkeit bis zu 250 Watt treten muss, eine halbe Stunde davor waren das noch für über 45 km/h nur 225 Watt.

Die Auflösung des Rätsels folgt dann nach dem Auschecken, mein Vorderrad schleift. Ich denke, das muss so etwa nach 3 1/2 Stunden passiert sein, vielleicht auf einem der wirklich schlechten Straßenstücke nach dem Wendepunkt bei Meile 70. Muss das SRM erst zu Hause auswerten, wann das passiert ist, mit dem Aerohelm habe ich aber kein Schleifgeräusch gehört, dichtet gut bei den Ohren ab;)))
Also 4:55 am Specialized, wieder hat mich der Defektteufel nicht verschont, vileleicht hätten es also die 4:50 werden können. Habe mich am Rad so gut wie nie zuvor gefühlt und habe sicher wieder mehr als 1000 Leute auf dem Rad überholt. Mich keiner, also bin fast gar nicht im Windschatten von irgend jemand gefahren, das hätte mich nur aufgehalten, die schnellen Packeln, so Theo Seiz, waren weiter vorne. Nach dem Rad habe ich 16 Minuten Rückstand auf Theo, der 4:56 fährt. Ich lasse mir wieder um 2 Minuten mehr Zeit in T2 als er und starte dann die Verfolgungsjagd.

Aus einer Aufholungsjagd wird aber nichts, da auch Theo den ersten Halbmarathon in 1:38 anläuft, für beide eher "suizidal", wenn man dann die Marathonendzeiten von 3:35 und 3:25 betrachtet. Habe mich dann nach Wendepunkt bei km 10.5 nur mehr auf die M50 konzentriert, und bin letztlich mit 9:47 gesamt 4.in der Altersklasse geworden, 4/195, Theo wird in 9:39 gesamt 21/ca.400 in M35. Er hat wirklich einen sensationellen Wettkampf abgeliefert und mich zum 2.Mal in unserer Triathlonkarriere einigheaut (1.Mal Cricket Wintercup), gestern zum 1.Mal im Triathlon.

Ich habe noch seine Worte vor längerer Zeit im Ohr dazu:"Bei Dir mache ich mir keine Sorgen, das erledigt eh das Alter." Recht dürfte er haben.
Ironjoe Bonness habe ich gesamt 5x während des Wettkampfes gesehen, 1x vor dem Schwimmen und 4x beim Laufen. Er hat mich 37 Minuten abgehängt (1:02, 4:42!!! und 3:20), er ist also defintiv "out of reach" und mit 9:12 hat er jetzt wieder den offiziellen Weltrekord auf einer IM Strecke. Die 8:53 von Helge Babel waren ja in Roth. Und Reini Garnitschnig hat jetzt wieder die 3.beste Zeit ever, mit 9:18.12 in Klagenfurth.
Obwohl ich also ein schlechtes Rennen hatte (nicht körperlich schlecht, sondern halt Mißgeschicke), dürfte ich mit dem 4.Platz ziemlich sicher einen Slot für Hawaii 2009 haben. Und das, obwohl ich mir bei den immer größer werdenenden Schmerzen bei Marathon fast geschworen hätte, die "World Tour 2009" zu beenden und nie mehr einen IM zu machen. Nach der ersten Schwimmrunde, nach 90 km auf dem Rad und nach dem Halbmarathon wäre eigentlich genug gewesen, dann hätten sich die Schmerzen in Grenzen gehalten und ich würde ohne Hilfe heute vom Sofa aufstehen können. So heftig ist der Muskelkater.

Berichte dann am Abend noch, ob ich den slot habe, heute Zeitumstellung hier, wir sind jetzt plus 7 Stunden unterwegs, bei mir ist es 5:45 Uhr morgens.

Quelle: IRONDOC TAGEBUCH

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