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Herwigs BLOG: "Fire & Ice"

Herwig Reupichler ist zurück in Graz mit dem Hawaii-Slot in der Tasche. Seine Racestory zum IRONMAN MALAYSIA, "The Toughest Race On Erth".
Mein Ironman
In den letzten gut zwei Wochen hat sich einiges geändert. Zum Beispiel meine Haut hat Verfärbungen von kreidebleich zu feuerrot um dann kurzfristig schokobraun zu sein, durchgemacht. Meine neue Bottecchia-Zeitfahrmaschiene hat nun einige hundert Kilometer drauf und mein Zehennagel ist ab. Von 66 kg Wettkampfgewicht hab ich eine Woche später nur mehr 64kg. Das dürfte an dem Post-Ironmanschen Durchfall und Fieberschüben gelegen haben.
Die Kronologie zum Hawaii-Slot
Auf Langkawi eine Woche vor dem Bewerb angekommen, gelang es mir schnell mich an die feucht-heißen Bedingungen anzupassen. Auch den Jetlag empfand ich im Gegensatz zu anderen Athleten nicht arg. Profi Gernot Seidl war im selben Hotel untergebracht wie Miriam und ich es waren, auch einige andere Europäer lagen mit uns gemeinsam am Hotelstrand unter Palmen.
Um die Zeit zu nutzen, wie oft ist man schon in diesem Winkel der Welt, mieteten wir ein Moped, um die paradiesische Insel Langkawi (ähnlich groß wie Mallorca) zu erkundschaften. Dazu sollte ich erwähnen, dass weder Miriam noch ich jemals ein motorisiertes Zweirad gesteuert haben. Sicherheitshalber entschieden wir uns für das beste Gefährt im "Rennstall", das sich als 100% übermotorisiert für uns herausstellte. Zu zweit schafften wir bergauf locker 80 km/h. Wahrscheinlich war es ein 125 ccm-Gerät, was weiß ich, keine Ahnung. Jedenfalls kam es wie es kommen musste. Im linksverkehrlastigen Kleinstadtchaos von Kuah, dem Ironmanzentrum von Langkawi, spendeten wir gleich einige Quadratzentimeter weißer europäischer Haut den Inselgöttern. Danach fuhren wir nicht mehr 80km/h. Eher 40km/h.
Trotzdem war ich so entspannt wie nie zuvor vor einem so großen Bewerb. Was hatte ich schon zu verlieren? Das die Februarform nicht mit einer Juliform vergleichbar sein kann, war klar.
Beim "letzten Abendmahl" stellte ich mich hinter der ungarischen Mitfavoritin Erika Csomor beim McDonalds für ein Bigmac Menu an. Hmmmm! Mit soviel Energie im Körper kanns ja nur gut gehen. Csomor gab am nächsten Tag übrigens mit Magenproblemen auf. Mein Münchner Freund Frank Niermerg dazu nüchtern: "Ein Guter hälts halt aus!"
Das Schwimmen, die Qual mit den Quallen:          (3,8 km 1:01:31 h)
Nach rekordverdächtigen sieben Stunden vorwettkämplicher Nachtruhe (Heineken sei dank!?!) sprang ich um 5:00 Uhr aus dem Bett, um um 7:45 Uhr mit den anderen 700 Eisernen aus allen Herren Ländern (40 Nationen) durch den salzigen Indischen Ozean zu pflügen. Die Schwimmform passte super, nur die Orientierung nicht. Ich verzweifelte fast, da ich alle 50 Meter mich irgendwo abseits der Meute wieder fand. War es die Strömung? Die anderen hatten die aber auch, ich glaub ich war einfach zu deppert um geradeaus zu schwimmen, soviel Freiwasserkilomter hab ich heuer auch noch nicht gemacht.
Dazu kam noch der Kampf gegen die Meeresungeheuer. Kleine Quallenbiester setzten mir gleich dreimal zu. Armbeuge, Kniebeuge und Riechtippel bekamen ihr Fett bzw. ihr Gift ab.
Nach den 3,8 neofreien Schwimmkilometern torkelte ich in die mittlerweile sonnengeflutete Wechselzone, um dort rasant durchzufegen- und meinen Timing-Chip zu verlieren. Um meine Wut darüber nicht noch einmal hochkommen zu lassen, hier die Kurzversion dazu: ich verlor dadurch rund vier Minuten in der Wechselzone und wurde durch mein Herumrasen und Brüllen in T1 kurzfristig berühmt.
Rad: Affe von rechts                        (180 km 5:02:06 h)
"Wurscht, es wird beim Laufen entschieden" ging es mir durch den Kopf. Ich ließ die negativen Gedanken hinter mir. Kette rechts und ab durch die Mitte. Durch mein mountainbikelastiges Radtraining hatte ich von Anfang an viel Druck am Pedal. Nur für wie lange war der Unsicherheitsfaktor. Da sich diese Frage nur durch "schau mer mal" beantworten ließ, bin ich geradelt und geradelt, bis ich eben bei bis zu 43°C nach 180km knapp 36km/h Schnitt stehen hatte. Die Strecke war nirgends für den Verkehr gesperrt, ein Rindviech, also ein Wiederkäuer, hat durch dessen seelenruhige Straßenüberquerung in einer Kurve ebenso wie herumhüpfende Affen (Primaten) keine Langeweile auf der Radstrecke aufkommen lassen. Windschattenfahren war durch das kleine Starterfeld kein Thema. Manche Kamikaze-Japaner kämpften anfangs bergauf noch wild mit, mussten dann aber doch reißen lassen.
Rund 80 Kilometer bildete ich mit einem jungen Deutschen eine "Gruppe". Bei einem Anstieg hörte ich hinter mir eine lautes Krachen. Der Kettenriss beim Germanen bedeutete für mich 40 Kilometer vollkommene Solofahrt bis kurz vor die zweite Wechselzone. Die Hitze war hier mein einziger Begleiter, auf zehn Kilometern brauchte ich immer zwei Trinkflaschen a´0,5 Liter. Und es wurde immer heißer und heißer.
Die Hitzeschlacht beim Marathon           (42,2km 3:44:02 h)
"Du bist auf Rang drei!" Die frohe Botschaft bekam ich von meiner Miri zugebrüllt, die 10 Stunden in der tropischen Hitze als meine Betreuerin durchhalten musste. Dritter schon nach dem Radfahren! Laut der offiziellen Veranstalter Website gab es in meiner Agegroup M30 drei der begehrten Hawaiislots. Mit Rang 10 nach dem Radfahren wäre ich auch zufrieden gewesen, aber so früh im Rennen schon auf Hawaiikurs zu liegen, motivierte mich nach meinem Ritt am Rad ungemein! Bei Laufkilometer 0,001 merkte ich jedoch schon, dass es an diesem Tag nicht hart, sondern außergewöhnlich hart werden würde. Nabistdugelähmt, so heiß und zach wie sich das Laufen gestaltete war für mich zuvor nicht vorstellbar gewesen. Nach etlichen Kilometern verabschiedete ich mich vom 5:00min Schnitt/km und dachte nur noch an "Fire&Ice": Von Kopf bis Fuß "Feuer" und dagegen gab es bei jeder Labestation Eisschwämme und Literweise Iso, Wasser und Gels für meinen Körper.
Noch vor dem Halbmarathon hab ich mich auf den zweiten Rang vorgekämpft und ein Zeitpolster auf den Spanier hinter mir herauslaufen können. Der in Führung liegende Neuseeländer war uneinholbar in Front. Die Posten waren bezogen. Ich konzentrierte mich nur noch auf meine Ernährung, damit ich ja nicht in irgendwelche ungeplanten Schwächephasen fallen konnte. Ich blieb stark.
Die Schönsten Momente
Nach rund 3,8 Schwimmkilometern, 180 Kilometer am Rad und 35 Laufkilometern mit noch immer zügigem Schritten realisierte ich es: die jahrelange verfluchte Hawaiiqualijagd hat für mich nun ein Ende. Die  bitteren Momente der vergangenen Jahre gingen mir durch den Kopf: Beim Ironman  Austria 2006 wurde ich mit dem Hawaiislot in der Tasche nachträglich mit 21 Minuten wegen angeblichen Windschattenfahrens bestraft. Die wurden mir dann wieder zurückgegeben, nur da war es für Hawaii schon zu spät. Ironman Frankfurt 2007: Trotz Gesamtrang 44 und einer Zeit von 9:13 h  verpasste ich die Quali um denkwürdige 40 (!) Sekunden. Ironman Austria 2008: Trotz eines verpatzten Rennens finishte ich in persönlicher Rekordzeit von 9:07:53. Es fehlten jedoch wieder zwei lächerliche Minuten für den Hawaiislot. Und jetzt, hier in der Hitze von Malaysien, nur 13 Tage nach dem Vizeweltmeistertitel im Wintertriathlon, lief ich einem Podestplatz bei einem Ironmanrennen und der jahrelang erträumten Hawaiiquali entgegen! Die eine oder andere Träne musste ich da schon schlucken. Salz ist bei Hitzerennen ja wichtig ;-)
An den Zieleinlauf kann ich mich echt nicht mehr erinnern, zu viele Eindrücke, zuviel Trubel, zu viele Emotionen… Nur Freude bleibt nach diesem Tag im Gedächtnis eingebrannt. Und für mehrere Tage ein gewaltiger Muskelkater in den Beinen.
Ironman Malaysia, Results M30
1. Peter Hughes NZL 9:43:00
2. Herwig Reupichler AUT 9:54:41
3. Jorge Juan Mendoza ESP 10:10:04  

Quelle: TRI Styria 

Ein Email von Herwig an mich:

Hi Raimund!

Danke für die super Radeinstellung! Mir haben 30 Trainingskilometer am Rad und 4-5 Walzeneinheiten zu einem 36er-Schnitt bei 43°C Hitze beim Ironman Malaysien gereicht !
Ich bin in der M-30 2. geworden, habe die Hawaiiquali geschafft!

LG Herwig

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