Der lange Weg zum Ironman: Kärnten IronMan Austria => Dramaturgie des Wettkampfes endet mit Erfüllung eines Lebenstraums
Ein Email von Martin Lang an mich:
HI Raimund!
Danke! Ist ok!
Auch Dir noch einmal vielen Dank! Was ich am Rad abgeliefert habe (obwohl ich erst das erste Mal mit dem Rennrad 2006 gefahren bin) war sensationell.
Danke und bis bald mal wieder.
Martin
Guten Morgen Freunde,
Es ist kurz vor halb 6Uhr (an Schlaf ist nicht mehr zu denken) und ich sitze vor dem Laptop und grüble wie ich meine Gedanken in Worte fassen kann.
Das am Wochenende erlebte ist teilweise wirklich nur schwer niederzuschreiben, aber ich werde jetzt mein bestes versuchen!!
Da dieser Newsletter sehr lang werden wird gibt es gleich die wichtigsten Fakten am Anfang.
Am Sonntag den 13ten Juli ging mein sportlicher Lebenstraum in Erfüllung!!!!!!!!!!!!!!!!!
ICH KONNTE DEN "KÄRNTEN IRONMAN AUSTRIA" IN DER FABELZEITVON 10h 25min 36sec finishen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Nach 3,8km Schwimmen in 1h24min27sec
180km Rad fahren in 5h12min31sec
und 42,197m Laufen in 3h41min12sec
+ Wechselzonen Zeiten von 3min43sec und 3min41sec
durfte ich mit Freunden, Familie und tausenden Zusehern
den bisher schönsten Moment in meinen Leben erleben (habe gerade wieder Gänsehaut)
Das Unmögliche wurde wahr! Doch wie und vor allem mit welcher Dramaturgie kam in Klagenfurt alles zu Stande?? Lässt in den Folgenden Zeilen mehr:
Aus reinen Selbstschutz und um die letzten Vorbereitungen für den "Großen Tag" vornehmen zu können hatte ich die letzten 6 Arbeitstage vor dem Ironman Urlaub.
Am Mittwoch vor dem Rennen war dann alles organisiert und berechnet und am Donnerstagabend waren dann die letzten groben Vorbereitungen (letzter technischer Dienst am Rad) abgeschlossen.
Ich wollte wirklich auf alles Vorbereitet sein.
Erstmalig, da mir bei diesen Rennen die Wichtigkeit dieses Themas mehr bewusst war den je, machte ich Überlegungen und Berechnungen zu Ernährungsstrategie für den Wettkampf.
Dabei beleuchtete ich natürlich auch die Ernährung in meinen bisherigen Wettkämpfen mit dem Ergebnis "Mann Du hast doch immer zu wenig gegessen bzw. viel zu wenig Kohlehydrate zu Dir genommen".
Verträgt der Körper lt. Sportliteratur ~1g/KH pro kg Körpergewicht/h so nahm ich bis jetzt nur ~12-15g KH /h zu mir!
VORSICHT war geboten, denn mit meiner bisherigen Ernährungsgewohnheit würde ich spätestens beim Marathon einbrechen!!
Also ging es ans grübeln, rechnen, recherchieren mit dem Hintergedanken "keine Experimente" und so erarbeitete ich eine Strategie die mich lt. Literaturvorgaben optimal mit Flüssigkeit, Mineralstoffen (Natrium) und vor allen Kohlehydraten versorgen sollte.
Am Freitag 6Uhr ging es dann los nach Klagenfurt (Tagwache vor 5Uhr :( um den Körper auf Sonntag einzustellen)! Es war ein Wahnsinns Gefühl! Der Aufbruch zum Tag der Entscheidung. Die ersten 20min hatte ich immer wieder einen Flash und dazu noch die ganze Zeit eine Gänsehaut. Nach einen Zwischenstop (2tes Frühstück) in Graz bei Thomas Wambach und Susanne Oster (sie sollten das gesamte WE mit mir verbringen) ging es dann ab nach Klagenfurt. Kurz vor Mittag im Quartier angekommen für ich sofort zur Registrierung ins Strandbad => dabei werden u. a. die Startunterlagen ausgehändigt.
Anschließend ging es in einen Park nach Krupendorf, wo wir wohnten. Dort freundete ich mich dann am Nachmittag erstmals mit dem Wörthersee an und schwamm meine ersten Meter darin. Leider musste ich feststellen, dass mich am Sonntag vielleicht die Herausforderung schlecht hin erwarten wird :( => es kam etwas Wind auf (es fuhren aber auch Boote) und so kamen Wellen auf was ein Schwimmen und vor allem Atmen sehr schwer machten. Den Gedanken 3,8km in dieser Form schwimmen zu müssen verdrängte ich sofort.
Dann ging es schon ab zur berühmten Pastaparty (dort trafen wir auch Pedro (machte auch mit) mit Freundin Petra).
Was für ein Erlebnis. Ein Riesenzelt voll mit Athleten und Angehörigen (müssen extra Ticket kaufen). Zur Info: Es gab fast 2500 Starter (2800 lt. Starterliste)!! Hier spürte man dann auch wieder so ein richtiges Kribbeln in der Luft.
Das schöne beim Triathlon ist, dass man immer wieder die Weltstars der Szene hautnah erlebt. So war auch Marino Vanhoenacker (Sieger der letzten beiden Jahre in Klagenfurt) Vorort und machte auch ein Foto mit mir.
Der älteste Teilnehmer war Franz Knorr mit 76Jahren!!!! Sein 26ter Ironman (hat erst knapp vor oder in der Pension mit Triathlon begonnen!!!) => Unvorstellbar!!! Er hat auch bekräftigt im Falle des Finishens (dann bekommt er einen Hawai Slot) "Ich fahre nochmals nach Hawai, will aber heuer meinen 4ten Platz vom letzten Jahr verbessern" => Respekt!!
Nach Pasta, Kuchen, ... gings zurück ins Quartier und sofort ins Bett.
Ich war noch immer so ruhig und eigentlich nicht aufgeregt. Die Vorfreude wurde auch immer größer.
Am Samstag ging es dann um 10Uhr zur Rennbesprechung mit einer Hiobsbotschaft "das Schwimmen mit Neopren ist verboten" => ~1500 deutschsprachige Athleten waren auf einmal ruhig.
Zum Glück handelte es sich bei dieser Aussage nur um einen Scherz und die Aussage wurde revidiert => PUUUHHHHHH Glück gehabt.
Mittag waren dann auch meine Eltern, Nachbarn und Engelbert Trunner angekommen.
Nachmittags ging es dann zum Bike Check in und Abgabe der Wechselzonen Säcke für das Radfahren und Laufen! Was für ein Bild => über 2500 Radständer, die in den nächsten Stunden prall gefüllt sein sollten.
Nochmals die Wechselzonen Wege (inkl. Laufwege) eingeprägt ging es dann raus wo wir auch noch Seidl Christof, Johannes Löffler und seine Freundin Carina trafen.
Die Fangemeinde/Unterstützung war bis auf Straka Christian (sollte Sonntag dazu stoßen) vollzählig.
=> Ich möchte auch hier nochmals danke sagen!!!!! Ohne Euch wäre es nur schwer bzw. vielleicht gar nicht gegangen!!!
Um 17Uhr gab es dann von Susanne noch eine leichte Massage bevor wir um 18Uhr zum Abendessen gingen. Ein paar Nudeln mit Tomaten Soße das wars. Ich wollte auf keinen Fall zuviel Essen um meinen Magen nicht mehr zu belasten und vor allem um am Sonntag keinen ungewollten Toilettengang zu haben.
Um 20Uhr30Uhr nachdem ich die letzten Vorbereitungen (anmischen der Wettkampfgetränke) durchgeführt hatte ging ich noch 20min locker laufen. Endlich war es soweit. In keinen 12h gehts los. Beim Lauf jedoch spürte ich, dass meine Beine noch nicht ganz spritzig waren. Die letzten 8min ging es dann noch ein wenig flotter zur Sache.
Nach einer Dusche war ich dann kurz nach 21Uhr im Bett.
JETZT GEHT ES ENDLICH LOS!!!!!!
=> nach 10min war ich dann auch eingeschlafen => schön langsam kam die Rennanspannung.
Nachdem ich fast durchgeschlafen hatte war dann um 3Uhr 45 Tagwache. Auch Thomas, Engelbert und Susanne nahmen diese am Sonntag so schwierige Bürde/Zeit auf sich.
Um 4Uhr Frühstück: Ich nahm etwas Tee zu mir und 2 Marmelade Semmeln (ohne Butter). Es ist für den Wettkampf ganz wichtig das man etwas im Magen hat, aber nicht zuviel und vor allem nicht das FALSCHE
=> leicht verdauliche Kohlehydrate und wenig Ballaststoffe.
Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang ging es um 5Uhr 20 ab ins Strandbad nach Klagenfurt. Noch immer war bei mir von Renn-Nervosität nichts zu spüren, was mich auch schon verwunderte.
Das wichtigste an diesen Tag, das WETTER, war auch TOP! Es war angenehm warm, leicht bewölkt und WINDSTILL!!
Beim Strandbad angekommen erlebt man sein blaues Wunder. Tausende von Menschen (wie ein Ameisenhaufen) geisterten im Startbereich herum. Das Rennfelling lag jetzt so wirklich in der Luft. Eine total geniale und geile Stimmung. Nachdem ich mein Rad Start bereit gemacht und die Wechselzonensäcke noch ein letztes Mal gecheckt hatte ging es kurz nach 6Uhr ab ins Strandbad.
Den Neopren angezogen kam jetzt auch bei mir neben der Konzentration das totale grabbeln.
Von allen Freunden verabschiedet ging ich in den Startbereich. Jetzt gibt es kein zurück. Erstmals leicht aufkommende Nervosität versuchte ich durch Konzentration in den Griff zu bekommen.
Leider konnte ich mich nicht mehr einschwimmen, da ich den extra Zugang zum See fürs einschwimmen nicht fand => das Seeufer war von tausenden Zuschauern restlos überfüllt/blockiert.
JETZT WAR ES SOWEIT. ES GIBT KEIN ZURÜCK MEHR!!
Ich platzierte mich ganz rechts (bei den langsamsten Schwimmern; jeder dort wo er hingehört :) um auch dem Startchaos zu entgehen. Da war er der Startschuss und es passierte nichts!
Erst nach ein paar Sekunden gingen wir im aktuell erst Knie tiefen Wasser Meter für Meter mehr hinein während es vorne schon zu Sache ging. Dann ging es langsam los. Ich schwamm ganz nach beim Steg rechts von mir und hatte fast keine Berührungen mit anderen Athleten. Auch die Wasseroberfläche/Wellen waren perfekt!!
Ich wählte eine sehr langsame Frequenz um mit meinen Kräften hauszuhalten und um in den Rhythmus zu finden, was mir dann auch gut gelang. Da das Wörthersee Wasser so klar ist, sah man immer mehrere Meter weit. Also machte ich mir erstmals bei einen Wettkampf den Wasserschatten anderer Athleten zu nutze und klemmte mich immer wieder mal irgendwo hinten hinein.
So vergingen die ersten 1,5km eigentlich ganz schnell. Danach erhöhte ich ein wenig meine Frequenz. Kraftmäßig war es überhaupt noch kein Problem.
Nach 1,8km (2te Boje) ging es dann zurück Richtung Strandbad. Leider begann ich jetzt etwas meinen Magen zu spüren. Ein etwas flaues Gefühl. Nach ein paar mal Rülpsen unter Wasser was es aber im erträglichen Maße. Kurz darauf später bekam ich auf der rechten Rückenseite auf Höhe Lendenwirbelsäule etwas Rückenschmerzen, aber auch diese hielten sich in Grenzen.
Nach 2,9km sollte mich dann der Lendkanal erwarten. Das ist ein kleiner Kanal der vom Wörthersee direkt ins Klagenfurt Zentrum führt. Der Weg Richtung Kanal hat sich unendlich in die Länge gezogen. Es verging eine Ewigkeit. Im Kanal angekommen aber dann ein Bild das seinesgleichen sucht!!!!!!! Am Ufer (auf beiden Seiten) des ~ 7m breiten Kanals saßen tausende von Zusehern.
Ein so ein geiles Gefühl das fast nicht mehr gedopt werden kann. Bei jeder Atmung (Blick zur Seite) schaut man in andere Gesichter, ein riesen Wirbel => ich habe nichts mehr gespürt!!! Keinen Magen, keinen Rücken, nichts!!! Du schwimmst auf Endorphinen!!!
Jetzt passierte etwas mit dem ich nicht gerechnet hatte (habe gerade wieder einmal Gänsehaut)!!!!!!!!
Ich schwamm auf der linken Seite des Kanals und schaute bei einer Atmung auf einmal Thomas, Chris, ... ins Gesicht. Jetzt war es vorbei. Das gibts doch nicht dachte ich und freute mich wahnsinnig. Die Jungs und Mädels machten einen Wirbel, liefen am Ufer nebenher durch die Menschenmassen und trieben mich ins Ziel. Ich selbst jetzt nach fast 3,8km weder müde Hände noch sonst etwas und legte jetzt nochmals mit der Frequenz zu.
Da war er nun, der Ausstieg!!!! Ich bin wirklich 3,8km durchgekrault (noch nie zuvor bin ich diese Distanz durchgeschwommen), dachte ich, war aber etwas verunsichert wegen dem Ausstieg.
Am Ufer draußen, sofort in den Laufschritt. Mir war weder Schwindelig noch etwas und ich lief Richtung Wechselzelt => wieder reingetrieben von den mitgereisten Freunden!!
Nach einen Top Wechsel (Neopren ausziehen ging total super) sprintete ich durch die Rad Wechselzone, schnappte mir das Bike und lief Richtung Ausgang. Ich hatte soviel Energie das mir das unheimlich vorkam.
Am Rad drauf ging es durch einen Park raus auf die Hauptstraße. Unendliche Menschenmengen an den Seiten, pushten mich schon auf den ersten Metern wie nach einer Überdosis Adrenalin!!!!
Jetzt ging es los!! Immer im Hinterkopf "Achte auf die Ernährung", "Fahre nicht zu schnell es sind 180km und Du musst noch einen Marathon laufen" und das wichtigste "lächle und hab Spaß beim Wettkampf" ging es los.
Ich hatte einen sensationellen Druck auf den Pedalen! Es stellte sich eine Geschwindigkeit von 37 bis 40km/h ein und der noch vom Schwimmen erhöhte Puls sank und sank!!
Mit teilweise beängstigendem Geschwindigkeitsunterschied zog ich an Athlet um Athlet vorbei. Nach 10min dann der erste Angstmoment!!! Es begann zu regnen! Gott sei Dank von nur kurzer Dauer was sich für die Körperkühlung als optimal heraus stellte!! Ich war dennoch so konzentriert und pushte und pushte weiter. Mittlerweile hatte sich mein Puls auch auf ein sensationelles Niveau zwischen 150 und 163 eingependelt was für diese Geschwindigkeit einfach Wahnsinn war!!!
Dann ging es nach Velden zum welligen Teil der Strecke, wo ich auch ständig attackierte. Schön langsam wurde mir das ganze unheimlich. Immer wieder so ich auch ein Motorrad neben mir mit einen Rennsheriff drauf. Mir ging immer wieder durch den Kopf "nur keine Zeitstrafe". Windschattenfahren ist ja verboten, da ich aber pausenlos überholte und attackierte (versuchte die vorgegebnen Abstände einzuhalten) war ich natürlich in Gefahr in einen ungünstigen Zeitpunkt vielleicht eine Strafe zu kassieren. Es sind halt doch auf 90km 2500 Athleten unterwegs.
Da der Kampfrichter sehr nett aussah begann ich mit ihm ein wenig zu plaudern. Auf den nächsten 50km wechselten wir immer wieder ein paar Worte. Diese Gefahr war also mal gebannt da er mich jetzt kannte und meine Attacken mitverfolgte.
Dann kam auch schon der erste starke Anstieg zum Faaker See. Auch diesen bewältigte ich ohne Probleme. Bereits jetzt waren dort einige Zuseher und peitschten uns hinauf. Nach dem Faakersee sah ich dann den ersten Rollstuhl Athleten. Ein Wahnsinn was diese Athleten leisten!! Ich habe ihn zugerufen und ihn motiviert und weiter gings!!
Fast 1h später war dann auch schon der berüchtigte Rupertiberg da und auch diesen lies ich hinter mir wie nichts. Bei dem Weg zurück nach Klagenfurt Pushte ich mehr denn je. Teilweise mit über 60km/h durch Ortschaften. Die Zuschauer flogen nur so vorbei.
In Klagenfurt angekommen ging es zum Wendepunkt (Start für die 2te Runde) => jetzt erlebte ich einen der schönsten, aufregendste, ... Momente in meinen Leben. Bereits 700 - 1000m vor der Wende standen Menschenmassen auf beiden Seiten der Straße und trieben dich an, schrien, pfeiften!!! Mit 40km/h zu einer 180° Kurve, voll in die Eisen/Bremsen und raus was geht. Du spürst zu diesen Zeitpunkt nur Glück, wahres Glück.
Als ich jetzt einen Blick auf die Uhr warf, traute ich meinen Augen nicht!!!! Ich hatte die ersten 90km (mit fast 800 Höhenmeter) in 2h32min zurückgelegt.
Nach dem Schwimmen noch an ~2100ter Stelle lag ich jetzt schon zwischen Platz 1200 und 1300.
Meine Beine spürte ich noch kein bisschen und freute mich auf die 2te Runde. Nach der Aufnahme eine Selbstversorger - Bags (noch ein weiteres Selbstgemixtes Getränk für die 2te Runde) begann ich wieder zu drücken.
In ähnlicher Manier wie bei der ersten Runde begann ich auch die Zweite.
Nach weiteren 20km nahm ich etwas Tempo raus, da mir das jetzt wirklich zu unheimlich war und ich doch Bedenken hinsichtlich des Marathons hatte. Mein Puls war allerdings noch niedriger als in der ersten Runde und ich war weit von meiner Anaeroben Schwelle weg, dennoch wollte ich kein Risiko eingehen.
Wieder bei der ersten starken Steigung der Runde, zum Faaker See, angekommen ging es ordentlich aufwärts. Jetzt waren noch viel mehr Zuschauer vor Ort. Es geht auf einmal um soviel leichter.
Auf einmal sehe ich Thomas, Engelbert und Susanne am Straßenrand!! Wie geil!!! Tom lief mit mir mit schrie mich an "Super schaust aus" und trieb mich vorwärts.
Bei km 130 spürte ich dann auch schön langsam etwas die Beine und hatte auch mein erstes kleines Tief => es waren jetzt auch schon weniger Menschen auf der Radstrecke, da einige Richtung Laufstrecke unterwegs waren. Darüber hinaus war bei den letzten 20km auch etwas stärkerer Wind aufgekommen (aber immer noch ok).
Das kleine Tief hatte ich nach 20km wieder überwunden und war ein letztes Mal beim Rupertiberg. Die 2te Erklimmung war jetzt schon mehr mit plagen, dennoch gings es ohne größere Probleme hinauf. Dann war ich auch mental wieder zurück und schoss zurück Richtung Klagenfurt.
Nach unglaublichen 5h12min (2h39min für die 2te Radrunde) und von den Zuschauern angetrieben kam ich zum 2ten Mal in die Wechselzone. Eine derartig unglaubliche Radleistung hätte ich mir nie und nimmer zugetraut. Nach dem Schwimmen noch ~2100ter war ich nach dem Radfahren an der ~800ten Position. Wahnsinn!! Das Ziel war immer unter 6h zu bleiben und auch das nicht mit Gewalt.
Doch verunsichert wie sich meine Beine nach dieser super Radperformance beim Laufen verhalten werden gings in die Wechselzone und dann ab auf die Laufstrecke.
Ob ihr es nun glaubt oder nicht, aber ich fühlte mich MEGA spritzig und bin mit einen Geschwindigkeitsschnitt von 4min30 angelaufen, habe aber nach ein paar Metern sofort das Tempo etwas zurückgenommen, obwohl mein Puls im GA2 Bereich zwischen 153 und 158 war.
Auf der Laufstrecke, waren sie dann schon wieder zu sehen. Zuerst, Johannes, Carina, Chris und Christof und etwas später Thomas, Engelbert und Susanne und trieben mich an wie wild. Jetzt war ich wirklich wie in Trance. Es war überhaupt der Wahnsinn, der Ganze Bereich im Strandbad war überfüllt mit Menschenmassen und es war eine sensationelle Stimmung.
Aber es ist halt doch ein Ironman und so sollten nach erst 8-10min Laufen die bittersten, schwersten, schmerzhaftesten und schlimmsten Minuten folgen.
Ich bekam wieder Rückenschmerzen und was für welche. Zunächst wurde ich langsamer immer noch im Gedanken beginne nicht zu gehen, Du hast noch 40km!!!!!
Kurze Zeit später blieb ich stehen und dehnte meinen Hüftbeuger. Wieder angelaufen wurde die Schmerzen nicht besser, nein im Gegenteil sie wurden noch etwas schlimmer. Also blieb ich wieder stehen, setzte mich hin und machte eine Physiotherapeutische Übung zur Lockerung des Hüftbeugers. Wieder losgelaufen wurden die Schmerzen nicht besser. Jetzt schlief mir auch noch das gesamte rechte Bein ein.
Es war wirklich nicht mehr auszuhalten und ich wusste, dass es so unmöglich war den Wettkampf zu beenden.
Es war AUSSICHTSLOS und ich dachte mir "das gibt doch nicht, jetzt mach ich so eine MEGA Schwimm und Radperformance und dann muss ich aufgeben"!!! Ja, aufgeben dachte ich!!!!! Ich konnte nicht mehr vor Schmerzen und begann zu gehen. Jetzt versuchte ich den Rückenstrecker zu dehnen und beugte mich nach vorne. Meine Hände kamen nicht mehr unter die Knie.
Krieg der Gedanken und des inneren Schweinehunds tobten!! Doch jetzt schoss mir eines in den Kopf! Du musst bis km 10 durchhalten. Da ist dann Susanne (Physiotherapeutin)!!! Vielleicht kann sie dir helfen.
Also lief ich mit extremsten Rückenschmerzen und einen eingeschlafenen Fuß weiter.
Bei km 11 wieder im Strandbad angekommen, tastete ich mit meinen Blicken beide Zuschauerseiten nach Susanne ab, doch sie war nicht da (der Sieger ist gerade durchs Ziel und die Susanne, Thomas und Engelbert haben sich den Zieleinlauf angesehen)!! Zum Glück sah ich Johannes!! Ich rief ihm zu "Ruf bitte Susanne an, ich brauche eine Behandlung weil ich so Rückenschmerzen habe"! Johannes schaute mich entsetzt an.
Auf den nächste km bewahrheitete sich dann wieder der Spruch schlechthin "Du kommst immer nochmals ein 2tes Mal ins Rennen zurück"!!
Die Schmerzen wurden weniger und ich konnte das Tempo steigern. Ich steigerte es auf 12 bis 12,5km/h. Obwohl meine Beine weder schwer waren, noch mein Puls hoch (GA 2 so bei 155 Schlägen) traute ich mich nicht mehr zu geben, da ich Angst hatte wieder dieselben Schmerzen zu bekommen. Also lief ich konstant das Tempo weiter. Nach Klagenfurt hinein um den Lindwurm herum und zurück war es eine endlose Menschenmenge.
Mir ging es immer besser, obwohl es jetzt auch deutlich heißer wurde (Sonne kam heraus).
Ich kühlte mich daher sehr gut mit Schwämmen (bekommt man bei jeder Labestation), blieb auch bei den Labestationen immer kurz stehen, trank in bis 2 Becher und weiter ging es.
So verging km um km und ich kam meinen Traum näher. Mittlerweile zog ich wieder an sehr vielen Mitstreitern vorbei und konnte meinen Laufstil locker durchziehen.
Nach 21km wieder im Strandbad warteten schon Susanne, ... und machten sich bereit für eine Behandlung. Da ich aber zurück im Rennen war diese zum Glück nicht mehr notwendig.
Auf der ersten Runde sah ich auch 2mal Pedro der so eine halbe h vor mir war.
Ich behielt mein Tempo und erblickte dann nach 25km auch erstmals meine Nachbarn und Eltern. Das motivierte mich nochmals.
Bei km 31 wieder im Strandbad ging es ein letztes Mal nach Klagenfurt hinein. Die Partie trieb mich wieder voran und gab mir abermals soviel Energie.
Jetzt nach km 31 spürte ich erstmals, dass meine Beine etwas müder wurden. Da aber die Gesamtverfassung viel besser war als bei so manchen kurzen Wettkampf in diesen Jahr und der Puls auch weiterhin unter 160 Schläge lief ich konzentriert weiter, überholte, überholte und versorgte mich mit ausreichend Energie und Flüssigkeit. Auch bei km 40 blieb ich noch bei der Labestation stehen und trank da es auf diese Sekunden nicht ankommt und ich nicht die letzten Meter kollabieren wollte (obwohl ich mich total frisch fühlte, aber man weiß ja nie).
Dann war es soweit. Nach über 10h lief ich in den mehrere hundert Meter langen Zuschauerkorridor ein (jetzt habe ich gerade eine Träne in den Augen beim erneuten hervorholen der erlebten Bilder und Gefühlte).
Bei tosenden Applaus und Lärm feierte ich mit den Zuschauern und Genoss die schönsten Meter die man sich vorstellen kann. Abklatschen, Verneigungen, Jubelposen standen am Programm. Nach nochmals eine 90 Grad Kurve durch einen kleinen Durchgang und ich war im Prall gefüllten Stadion.
Es war so schon mit den Menschen zu feiern. Nach einem Kuss auf Klagenfurter Boden hörte ich die alle Freunde schreien. Sie waren 20m von mir Weg ganz vorne bei einer Absperrung. Mit einem Sprint zu Ihnen hin gab es Umarmungen, Umarmungen, Jubel, Jubel.
Mir war zuvor immer wieder die Zeit durch den Kopf gegangen. Was machst Du wenn Du unter 10h30min bleiben könntest, ... . Alle diese Gedanken endeten mit einen Ergebnis!!
"SCHEISS AUF DIE ZEIT!!!!!" Es kommt nicht drauf an ob Du 10, 11 oder 12h brauchst. Feiere mit deinen Freunden, Familie, Zuschauern, einfach mit allen!
Das Tat ich! Noch eine Umarmung mit dem Zielmoderator und einen weiteren Kuss auf die Zielrampe durchquerte ich um 17Uhr25 nach 10h25min36sec (einer durch die Probleme sensationellen Marathonzeit von 3h41min12sec) das Ziel.
Es war der Wahnsinn! Jegliche Last viel von mir ab. Der Jubel war grenzenlos. Die Gefühle unbeschreiblich!!
Gleich nach dem Ziel nahm mich meine Mutter unter Tränen in Empfang. Auch meine Nachbarin hatte vor Freude geweint. Nach Umarmungen kurzen Smalltalk ging es zu Massage.
Was mich am meisten überraschte, ich fühlte mich frisch und hatte keinerlei Schmerzen (außer Rücken)!!!!
Ja, Summa summarum beendete ich meinen ersten Ironman als ~600 von über 2400Startern und bin überglücklich.
Das Puzzle Ironman ist komplett. Es war aber nicht nur ich der das möglich gemacht hat.
Ja, man selbst ist das größte Stück, aber ohne das nötige Umfeld geht es nicht!!!!!!
Am meisten Bedanken möchte ich mich bei Pedro. Er hat in 1 1/2 Jahren eigentlich unmögliches wahr gemacht. Vor 2 Jahren konnte ich erst wieder zu Laufen beginnen nach meinen Knie Problemen (konnte es ja teilweise nicht mehr als 45° abbiegen).
Ohne etwas verschreien zu wollen, aber ich hatte heuer im gesamten Jahr noch kein einziges Mal Knie Probleme. Er hat mich mit einem derart intelligenten Trainingsplan zu einer unvorstellbaren Höchstleistung geführt. Speziell im äußert schwierigen letzten halben Jahr bei Bosch.
Er ist für mich nicht nur ein super Freund, sonder auch der für mich "BEST passende Trainer"!!!
Danach kommt gleich meine Familie die mich auch immer unterstützt hat wenngleich oftmals die Meinung da war, "das ist ja ungesund".
Auch Susanne Müller die mich Physiotherapeutisch immer wieder geradegebogen hat und noch so viele andere mehr.
Jeder mit dem ich über Training, .... reden hab können, der mir zugesprochen hat, alles das half mir bei der Verwirklichung meines Traums. DANKE!!!
Abschließend noch ein riesiges DANKE an alle die mitgekommen sind. Ohne Euch hätte ich den Schmerzen W.O. gegeben!!!
DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!!
So nach über 3h schreiben gehts jetzt in die Arbeit.
GLG und bis bald
Martin
Martl
Motz
Hier noch ein Video von Martin, Martl, Motz
Link: sevenload.com
